Launch des EPatient Analytics Dashboards

 
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Der digitale Gesundheitsmarkt: Google Maps oder Terra Incognita?

Die Situation

Der Markt für digitale Gesundheits- und Patientenlösungen ist exponentiell am Wachsen. Neue Lösungen kommen auf den Markt, bringen völlig neue digitale Versorgungsszenarien mit sich und beeinflussen in ersten Zügen eventuell gar noch unbemerkt die Patientenströme. Dies geschieht mit oder ohne politischer Initiativen, wie beispielsweise dem Digitalen Versorgungsgesetz. Eines der besonderen Charakteristika dieses Marktes ist, dass er sowohl ein sogenannter B2C-/Konsumentenmarkt ist, als auch in ersten Schritten Teil der medizinischen und eng reglementierten Versorgung wird.

Das Dilemma aller beteiligten Akteure des Gesundheitsmarktes: Sie müßen irgendwie eine digitale Strategie entwickeln und umsetzen, und das vor dem Hintergrund eines Marktes dessen Ökosystem sie so gut wie nicht kennen und dessen Bild sich wie ein zerbrochenes Mosaik aus der Antike darstellt. Es entsteht ein Handlungszwang ohne fundiertes Marktwissen, ohne ein klares messbares Bild vom Markt, als diffuses Gefühl im blinden Fleck der eigenen Entscheidungen. Denn die GKV/PKVen kennen den Kassenmarkt, Medizintechnikunternehmen kennen den Gerätemarkt, Arzneimittelhersteller kennen den Medikamentenmarkt mit klaren Methoden, Marktkenngrößen und Eigenarten. Aber wer kennt vergleichbar klar und genau den digitalen Gesundheitsmarkt mit seinen Nutzern, Early oder Never Adoptern, Vertriebs-/Geschäftsmodellen, Kunden-Touchpoints digital und am Point-Of-Sales oder gar Point-Of-Care und weitere relevante Kenngrößen?

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Bild: Wie ein unvollständiges Mosaik aus der Antike stellt sich für viele Entscheider derzeit der digitale Gesundheitsmarkt dar (Quelle: wikimedia: Delos Mosaik “Blumen”, Griechenland, ca. 100 B.C.).


Die Frage kommt auf: Wozu brauche ich ein ganzheitliches, unabhängiges Bild vom digitalen Gesundheitsmarkt und was beinhaltet dieses Bild?


Kennen Sie das Kleine 1x1 des digitalen Gesundheitsmarktes?

Die Nachfrageseite

Treten wir einen Schritt zurück beziehungsweise wagen wir einen Blick vom Feldherrenhügel: Ein Markt besteht aus einer Angebots- und Nachfrageseite und die Nachfrageseite hier ist in erster Linie klar messbar :1. die Summe an Bürgern und Patienten, welche über diverse internetfähige Endgeräte aktiv sind oder auch nicht und ihre genau beschreibbare soziodemografische Zusammensetzung sowie die absoluten Volumina in der Bevölkerung.

Oder wußten Sie schon? Frauen >70 Jahre mit Hochschulabschluss haben zu ca. 37% ein Smartphone, Frauen >70 Jahre mit Haupt-/Volksschulabschluss zu 7%*. Das ist ein Verbreitungsunterschied von nahezu Faktor 6. Wie gehen Sie damit um, wenn Sie eine digitale Versorgungslösung genau für diese oder vergleichbare Patientenmilieus planen?

Von jedem normalen Bürger kann man die kognitiven Fähigkeit erwarten, eine Apotheke zu betreten, ein Medikament abzuholen oder zu erwerben und den Inhalt mit einem Glas Wasser einzunehmen. Bei Produkten auf dem digitalen Gesundheitsmarkt schaut das etwas anders aus: Weder kennen hier alle den Weg zur Apotheke (zum App-Store), noch besitzen alle ein Glas Wasser (ein Smartphone und eine Kreditkarte) und ebenso können nicht alle mit Medikament und Wasser umgehen (digitale Kompetenz). Verwechseln wir also bitte eine digitale Patientenlösung auf dem Smartphone nicht mit einem verordneten Medikament (#dvg, #ouch).

Und diese digitalen Zielgruppensegmente sind seit Jahrzehnten im Rahmen der Mediennutzungsforschung soziodemografisch genauer darstellbar als viele Ergebnisse der Studien zur Verbreitung von Krankheiten in Deutschland.

Brechen wir es noch ein Segment runter: Mit diesen Daten haben wir berechnen können, wieviele Patienten einer bestimmten Erkrankung in welchem Alter und Geschlecht mit welcher Wahrscheinlichkeit und wieviele von diesen (als "n") digital erreichbar sind. Wir nennen diese Größe: 2. digitales Patientenzielgruppenvolumen (nein, wir sind auf diese Wortungetüm nicht stolz). Allein diese beiden Kennzahlen werden bei sogenannten Outcome- oder Evaluationsstudien zu digitalen Gesundheitsanwendungen noch häufig vergessen. Gehts noch? Wie kann ich eine Intervention modellhaft in ihrer Wirkung berechnen, wenn ich nicht einmal die Anzahl der Patienten/Personen/Versicherte relativ genau in meinem Modell habe?

Gehen wir noch weiter: Welche Art von Patienten sind die Early Adopter von MySugr, Selfapy, Caspar Health, MyTherapy, Cara Care, M-Sense oder auch nicht? Woher erhalten sie diese Anwendung? App-Store? TV-Spot? Neurologe? Entlass-Pflegekraft? Wie lange und mit welcher Auswirkung nutzen sie die Anwendung? Wie steht es um die Zahlungs- und Datenspendebereitschaft? Alle diese und weitere strategisch wichtige Kenngrößen sammeln wir seit 2010 mit jährlich 8000-12000 Datensätzen im Rahmen unserer größten Online-Befragung zu diesem Thema "digitaler Patient" durch den 3. EPatient Survey (epatient-survey.de).

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Die Angebotsseite

Wird ein neues Medikament oder eine neue physiotherapeutische Behandlungsmethode eingeführt, ändert das relativ wenig im Umfeld der Versorgung, der Akteure oder innerhalb der Patientenströme. Eine neue Sorte Fango für die Fangopackung verändert nicht die Sektorengrenzen im deutschen Gesundheitssystem. Ein in der Greater London Area 2018 getesteter Chatbot und Symptomchecker des Anbieters Babylon Health zeigte ungeplant, dass dies bei digitalen Interventionen völlig anders aussehen kann. Die NHS plante mit der Initiative ursprünglich die Patientenströme von Fachärzten erst einmal hin zu den Allgemeinärzten zu lenken. Aufgrund der Nutzer, welche ihre Symptome im Chatbot dramatisierten, trat das ungeplante Gegenteil ein: Die Allgemeinarztpraxen in den Vororten verloren eine kritische Anzahl an Patienten und die Facharztpraxen in der Innenstadt wurden überrannt. Ouch.

Auch in Deutschland zeigen Startups wie bspw. Caspar Health, Egopulse, Preventicus, MeineZweitmeinung und viele ähnliche Lösungen, dass sich durch die Verflechtung dieser Lösungen mit den Versorgungsstrukturen die Einflusssphären der einzelnen Akteure ändern, mit anderen Akteuren in Konkurrenz treten, aber auch Versorgungslücken geschlossen oder Wartezeiten verbessert werden. Diese Lösungen entwickeln ein völlig eigenes Ökosystem mit neuen "Touchpoints" (wie und wo genau erhält der Patient im echten Leben da draußen erstmals die Anwendung? Durch Suche im App-Store oder am Point-Of-Care?), neuen Vertriebs- und Geschäftsmodelle und Behandlungspfaden. Preventicus besteht beispielsweise (als beispielhaftes Szenario) nicht allein aus der App, die via Smartphonekamera Puls und Herzrhythmus messen kann (ja und?). Hinter Preventicus steht ein ganzen Versorgungskonzept mit Telemedizinzentrum, Call-Center-Assessment-Lösungen, Kardiologennetzwerk, Screeningstrategien mit Kostenträgern etc. Wie sehen die 200-250 anderen Ökosysteme dieser digitalen Versorgungslösungen im Einzelnen auf einen Blick und als Gesamtperspektive mit Marktkennzahlen quantifiziert eigentlich aus? Macht es überhaupt Sinn ohne dieses Marktwissen strategisch zu planen? Ich glaube nicht. Wir reden also 4. vom Markt der digitalen Versorgungslösungen oder auch kurz: vom digitalen Gesundheitsmarkt (dgm-report.de).

Durch die oben genannten Aspekte 1. bis 4. wird deutlich, dass digitales Zielgruppenwissen, digitales Patientenwissen und Marktwissen im Fokus digitale Versorgungsstrategien grundlegendes Handwerkszeug darstellen.

Fazit: Kenne Deine digitale Patientenzielgruppe. Kenne das Ökosystem neuer digitaler Versorgungslösungen.

Seit 2010 analysieren und visualisieren wir (EPatient Analytics GmbH) die bestmöglich verfügbaren wie auch eigens erhobenen Marktdaten zum digitalen Gesundheitsmarkt, wie in den Punkten 1. bis 4. oben dargestellt. Seit wenigen Wochen können unsere Kunden neben den üblichen Marktberichten in Form von PDF-Studien neuerdings auch browserbasiert und interaktiv auf alle hier beschriebenen Marktdaten zugreifen: epatient-analytics.com/dashboard.

 
EPatient Analytics GmbH